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Ehrenbürger
Stefan Heym
Nachruf. CD. (AV ) Audio- CD

Berlin Alexanderplatz 4.11.89 2 Audio- CD`s

Collin
Roman, 309 Seiten

Der König David Bericht
Roman, 280 Seiten

Meine Cousine, die Hexe und weitere Märchen für kluge Kinder

Nachruf

Der Winter unseres Mißvergnügens

Der bittere Lorbeer

Der König David Bericht

Wege und Umwege

Die Augen der Vernunft

Gesammelte Erzählungen

Goldsborough Roman

Lenz oder die Freiheit Roman

Hutchinson, Peter Stefan Heym, Dissident auf Lebenszeit

Fünf Tage im Juni Roman

Die Architekten Roman, 382 Seiten

Pargfrider Roman

Ahasver

Martens, Michael
Es gibt Ideen, die Jahrtausende überstehen

Immer sind die Weiber weg

Die Architekten Roman, 382 Seiten

Immer sind die Männer schuld

Offene Worte in eigener Sache

Immer sind die Männer schuld
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Der Schriftsteller Stefan Heym ist tot. Er starb am 16. Dezember 2001 im Alter
88 Jahren in Israel. Heym hatte noch am Donnerstag zuvor auf einer Heinrich- Heine- Konferenz in Jerusalem gesprochen. Am Samstag war er gemeinsam mit seiner Frau zum Toten Meer gereist, wo er überraschend einen Herzanfall erlitt. Stefan Heym war der wohl bedeutendste Autor in der DDR und einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller. 1998 war Heyms letzter Roman "Pargfrider " erschienen. Es folgte noch der Geschichtenband "Immer sind die Weiber weg ". Zu seinen bekanntesten Büchern gehören "Collin " und
"Fünf Tage im Juni ".
Im Mai 2001 hatte sich der in Chemnitz geborene Romancier in das Goldene Buch seiner Geburtsstadt eingetragen. Mit der Übertragung der Ehrenbürgerwürde ehrte die Stadt Chemnitz dann am 2. Oktober den international geachteten Schriftsteller. Unter dem bürgerlichen Namen Helmut Flieg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, setzte er sich bereits als Schüler des Staatsgymnasiums Hohe Straße mit den gesellschaftlichen Widersprüchen in der Weimarer Republik auseinander. Mit der Veröffentlichung eines Gedichtes in der Chemnitzer "Volksstimme ", indem er den deutschen Militarismus anprangerte, trat er erstmals
offen gesellschaftskritisch in Erscheinung. Die Relegation vom Gymnasium und nationalsozialistische Repressalien waren die Folgen. Zum Schutz der eigenen Person und aus Sorge um seine
Familie vor antisemitistischem Terror lebte er fortan unter dem Pseudonym Stefan Heym. Dennoch wurde die Emigration nach Prag und später in die USA für ihn unvermeidbar. Nachdem er in Chicago sein Studium der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften beendet hatte,
begann er journalistisch als Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung "Deutsches Volksecho " zuarbeiten. Mit dem Roman
"Hostage " begann er Mitte der dreißiger
Jahre sein schriftstellerisches Lebenswerk. Die Verachtung des Hitlerregimes und der Wille, aktiv zum Ende des 2. Weltkrieges beizutragen, führten Heym in die US- amerikanische Armee.
Unmittelbar nach Kriegsende besuchte er als Soldat das zerbombte Chemnitz.
Zu Beginn des Kalten Krieges nahm Stefan Heym eine kritische Haltung zur Politik der USA ein und wurde wegen "prokommunistischer Haltung " aus der US- Army ausgeschlossen. Aus Protest gegen den Koreakrieg gab er der US- Regierung seine militärischen Auszeichnungen zurück.
Stefan Heym sah 1952 in der DDR, mit der er damals viele Hoffnungen verband seine neue Heimat. Als Autor von zu Klassikern gewordenen Romanen wie "Kreuzfahrer von heute ",
"Der Fall Glasenapp " oder "Die Augen der Vemunft " fand er hier eine große Leserschaft und staatliche Anerkennung. So wurde sein literarisches Schaffen
1953 mit dem Heinrich- Mann- Preis,1956 mit dem Literaturpreis des FDGB und dem Nationalpreis im Jahre 1959 gewürdigt.
Sich selbst als kritischen Marxisten bezeichnend, ließ er sich als international anerkannter Schriftsteller nicht von der SED- Führung vereinnahmen oder instrumentalisieren. Vielmehr setzte er sich ab Mitte der 5oer Jahre zunehmend kritisch mit der Entwicklung in der DDR auseinander.
Sein offener Umgang mit gesellschaftlichen Problemen führte immer wieder zu Kontroversen mit der DDR- Führung. Andererseits gelangte Heym durch seinen brillanten Stil und die von ihm aufgegriffenen Themen zu einer großen Popularität. In Romanen wie "Lasalle " oder
"Der König David Bericht " bediente sich Stefan Heym des historischen Romans, um aktuelle Themen aus einer Perspektive darzustellen, die nicht den offiziellen SED- Richtlinien entsprach. Nicht selten konnten auch die deutschsprachigen Ausgaben einiger seiner Werke bis zum Jahre 1989 nur in der Bundesrepublik Deutschland verlegt werden. Typische Beispiele dafür sind die Romane "Collin " und "Schwarzenberg ", die 1979 und 1984 bei Bertelsmann erschienen, aber erst 1990 in der DDR verlegt werden konnten. Stefan Heym machte niemals einen Hehl aus seiner Ablehnung des in der DDR praktizierten real existierenden Sozialismus. Die Unterzeichnung der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns führte zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. Zunehmend reglementiert und lediglich noch geduldet, setzte Stefan Heym seine schriftstellerische Arbeit unvermindert fort. Über die westdeutschen Medien setzte er sich weiter mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der DDR auseinander, die er trotz aller Unzulänglichkeiten und durchlebten Schwierigkeiten weiterhin als seine Heimat betrachtete.
Im Herbst 1989 gehörte Stefan Heym zu den herausragenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Obwohl er bereits zu Beginn der 80er Jahre zu den wenigen Prominenten in beiden deutschen Staaten zählte, die die Wiederherstellung der deutschen Einheit prophezeiten, begleitete er den sich dann vollziehenden Vereinigungsprozess nach 1990 konstruktiv und kritisch.
So machte er als Alterspräsident des 13. Deutschen Bundestages in seiner Eröffnungsrede 1994 auf Fehlentwicklungen während des Wiedervereinigungsprozesses aufmerksam und verwies zugleich auf die großen historischen Chancen für Demokratie und soziale Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland.
Der Querdenker Stefan Heym bekannte sich während seines ganzen Lebens zu seiner von Humanismus und sozialer Gerechtigkeit geprägten Weltanschauung. Dabei ging es ihm nie vordergründig um die Verfechtung von Ideologien. Vielmehr hat er sich mit seinen Gesellschaftskritiken als charismatischer Praktiker in die Diskussionen eingebracht.
Im Verlaufe von über sieben Jahrzehnten setzte er sich nicht nur in seinen literarischen Werken mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen er lebte, auseinander. Beeindruckend war dabei stets seine Zivilcourage aber auch sein konstruktives Engagement bei der Suche nach einer modernen und zukunftsfähigen Gesellschaftsform. Mit seiner zumeist schonungslos offenen und nicht selten unbequemen Art stieß er immer wieder an Grenzen, die ihm von den Regierenden aufgezeigt wurden. Doch weder der deutsche Nationalsozialismus, noch die USA in der Mc Carthy-Zeit und auch nicht das SED-Herrschaftssystem der DDR konnten Stefan Heym in seinem Streben nach wahrer Demokratie und Gerechtigkeit aufhalten.
Mit der Übertragung der Ehrenbürgerwürde an Stefan Heym ehrte die Stadt Chemnitz am 2. Oktober 2001 eine international geachtete Persönlichkeit, die hier in Chemnitz geboren und aufgewachsen ist. Mit seinem umfassenden Lebenswerk gehört Stefan Heym zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.
Die Stadt Chemnitz wird Stefan Heym stets in Ehren gedenken.
1913
10. April: Stefan Heym, alias Helmut Flieg, wird in Chemnitz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Besuch des Chemnitzer Gymnasiums, das er wegen eines antimilitaristischen Gedichts 1931 verlassen muss.
1932
Abitur in Berlin. Er schreibt erste Beiträge für verschiedene Berliner Zeitschriften, unter anderem für Ossietzkys "Weltbühne ". Studienbeginn der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften in Berlin.
1933
Aus Rücksicht auf seine Familie nimmt er das Pseudonym Stefan Heym an und flieht nach Prag, wo er als Journalist für deutschsprachige und tschechische Zeitungen arbeitet.
1935
Der jüdische Vater begeht Selbstmord, andere Familienmitglieder kommen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ums Leben.
Heym siedelt in die USA über und beendet seine Studien 1936 an der Universität von Chicago mit einer Magisterarbeit über Heinrich Heine.
1937- 1939
Chefredakteur der antifaschistischen New Yorker Wochenzeitung "Deutsches Volksecho ".
1942
Veröffentlichung seines ersten Romans "Hostages ".
1943
Eintritt in die US- amerikanischen Armee und Teilnahme als Sergeant für psychologische Kriegsführung an der Invasion in der Normandie(1944 ).
1945
Mitbegründer der Zeitung "Neue Zeit " in München.
Rückversetzung in die USA und Entlassung aus der Armee wegen prokommunistischer Haltung.
1948
Veröffentlichung des Kriegsromans "The Crusaders " der ein Weltbestseller wird.
1952
Aus Protest gegen den Koreakrieg gibt Heym der US- Regierung alle militärischen Auszeichnungen zurück und siedelt im selben Jahr mit seiner amerikanischen Frau nach Ost- Berlin über.
1953- 1956
Kolumnist für das SED- Blatt "Berliner Zeitung ". Danach beginnt er als "kritischer Marxist " die Auseinandersetzung mit dem DDR- Regime zu suchen, das nach seiner Auffassung "den Sozialismus zu einem Zerrbild der Idee entstellt ". Heym, der sich nie als Gegner, sondern als Kritiker des Regimes verstand, tritt keiner Partei bei.
1954
Auszeichnung mit dem Heinrich- Mann- Preis.
1959
Verleihung des Nationalpreises 2. Klasse der DDR.
1972
Veröffentlichung des Romans "Der König David Bericht ".
Heym, der im Westen die meisten seiner Bücher drucken lässt, avanciert dort zum meistgelesenen DDR- Autor.
1974
Veröffentlichung von "5 Tage im Juni ", einer Darstellung der Ereignisse um den 17. Juni 1953.
1976
Mitunterzeichner der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.
1979
Sein Roman "Collin " erscheint in der Bundesrepublik. Der Roman, der von der DDR- Zensur abgelehnt wird, stellt eine Abrechnung mit der stalinistischen DDR- Vergangenheit und ihrer Verdrängung dar. Es folgt eine Verurteilung wegen Devisenvergehens und der Ausschluss aus dem DDR- Schriftstellerverband. In der DDR wird Heym fortan lediglich geduldet. Er verschafft sich zunehmend Gehör in westlichen Medien, so 1982 beim deutsch- deutschen Schriftstellertreffen im niederländischen Scheveningen, wo er über die Friedensbewegung in Ost und West spricht. Die deutsche Wiedervereinigung hält er für "möglich und naturgegeben ".
1981
Veröffentlichung des Romans "Ahasver ". Ahasver bezeichnet den ewigen Juden, eine mittelalterliche Sagengestalt, die Heym vor dem Hintergrund der atomaren Rüstungsspirale als rebellischen, unermüdlich antidogmatischen Intellektuellen auftreten lässt.
1984
Veröffentlichung von "Schwarzenberg ", ein utopischer Roman über ein in der unmittelbaren Nachkriegszeit angesiedeltes sozialistisches Experiment im Erzgebirge.
1988
Veröffentlichung seines autobiographischen "Nachruf ".
1989
4. November: Bei der Kundgebung auf dem Ost- Berliner Alexanderplatz wird er von den Demonstranten emphatisch begrüßt, als er eine Rede über "den neuen, den besseren Sozialismus in der DDR " hält.
Nach der Maueröffnung tritt Heym, angewidert vom "Kaufrausch der Massen aus der DDR ", in dem er eine würdelose Jagd nach dem glitzernden Tinnef sieht, für eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik ein. Er gehört zu den Initiatoren des Aufrufs "Für unser Land ".
1990 und 1991
Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universitäten Bern und Cambridge.
1990- 1992 Veröffentlichung des Erzählbandes "Auf Sand gebaut " (1990 ) und des Buches "Filz. Gedanken über das neueste Deutschland " (1992 ), mit denen er sich dem Thema der deutschen Wiedervereinigung widmet.
1992
Heym zählt zu dem Mitbegründern des "Komitees für Gerechtigkeit ".
1993
Ehrenpräsident des Deutschen PEN- Zentrums Ost.
Für sein Engagement gegen Rassismus und Xenophobie (Fremdenangst) wird Heym als erster deutscher Schriftsteller mit dem Jerusalem- Preis für Literatur ausgezeichnet.
Heym schenkt sein Privatarchiv der Universität Cambridge.
1994
Für die Bundestagswahl lässt sich Heym von der SED- Nachfolgepartei PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus ) als Kandidat des Wahlkreises Berlin Mittel / Prenzlauer Berg gewinnen. Nach monatelangem Zögern begründet er diesen Schrift damit, dass in der PDS ein "Prozess innerer Wandlung " erkennbar sei, die "westdeutsche Politikerkaste " ihn dagegen "politikverdrossen " mache. Einen Eintritt in die Partei lehnt er allerdings ab.
Heym gewinnt das Direktmandat gegen den SPD- Politiker Wolfgang Thierse und zieht mit zwei weiteren Schriftstellern, Gerhard Zwerenz und Heinrich Graf von Einsiedel, für die PDS in den Bundestag ein. Als Alterspräsident hält Heym im November die Eröffnungsrede im Bundestag, der die CDU/ CSU- Fraktion (außer Rita Süssmuth ) demonstrativ den Applaus versagt.
1995
Sein Roman "Radek " erscheint, in dem er die Spuren des KPD- Politikers Karl Radek nachzeichnet, der 1919 aus Berlin ausgewiesen und in der Sowjetunion wegen Opposition gegen Stalin verbannt und in einem Schauprozess verurteilt wurde. September: Aus Protest gegen die geplante Diätenerhöhung legt Heym sein Bundestags- Mandat nieder.
1997
Heym gehört zu den 34 Politikern, Gewerkschaftern, Schriftstellern, Künstlern und Theologen, die in der "Erfurter Erklärung " ein Linksbündnis von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ohne Ausgrenzung der PDS fordern, um die Bundesregierung 1998 abzulösen.
1998
Veröffentlichung von "Pargfrieder ", einer autobiographischen Skizze über die komplizierte Freundschaft zwischen zwei Männern.
Am 16. Dezember 2001 stirbt Stefan Heym mit 88 Jahren.
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| Stand: 2004 |
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