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Karl Schmidt- Rotluff      


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Karl Schmidt- Rotluff



• 01.12.1884 in Rottluff bei Chemnitz geboren
• 1897- 1905 Gymnasiast in Chemnitz (Freundschaft mit Erich Heckel ab 1902 ) Abitur in Chemnitz und Beginn des Studiums der Architektur an der TH in Dresden. Bekanntschaft mit Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner
• 07.06.1905 Gründung der Künstlergemeinschaft "Die Brücke " mit Kirchner und Heckel
• 1911 übersiedlung nach Berlin
• 1913 Auflösung der "Brücke "
• 1915- 1918 Kriegsdienst in Russland und Litauen
• 1918 Mitglied des "Arbeiterrates für Kunst " in Berlin. In den folgenden Jahren zahlreiche Ausstellungen und Reisen
• 1931 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin
• 1933 Ausschluss aus der Akademie für Künste
• 1937 Diffamierung als "entarteter Künstler " und Beschlagnahmung seiner Werke in deutschen Museen
• 1941 Ausschluss aus der "Reichskammer der bildenden Künste " und absolutes Malverbot
• 1943 Zerstörung seines Berliner Ateliers durch Bomben und übersiedlung nach Rottluff
• 21.11.1946 Ehrenbürger von Chemnitz
• 1970 Ehrenbürger von Berlin
• 10.08.1976 stirbt er in Berlin


Karl Schmidt Rotluff 1950 (Selbstbildnis) Expressionist und Brücke Mitglied

Der Name Karl Schmidt- Rottluff ist eng mit der Geschichte der "Brücke " verbunden, jener Künstlergruppe, die 1905 in Dresden von Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt- Rottluff gegründet wurde. Schmidt- Rottluffs einfache, klar gegliederte Formensprache und die leuchtende Farbigkeit seiner Bilder aus jener Zeit entsprachen der Zielsetzung dieser avantgardistischen Künstlergruppe, die sich mit der Hinwendung zum unmittelbaren, Wesenhaften und Elementaren gegen die modische Salonmalerei, die offizielle Repräsentationskunst und den kitschigen Pseudorealismus des wilhelminischen Zeitalters auflehnte. Die Maler, zur Zeit der Gründung alle zwischen 21 und 25 Jahren alt, schockierten mit der Radikalität ihres Frühwerks einen großen Teil des damaligen Publikums. Obwohl die Künstlergemeinschaft nur acht Jahre existierte, wurde die schöpferische Leistung der Maler später fast ausschließlich an ihrer jugendlichen Schaffensphase gemessen. Dies wird aber der Individualität und Entwicklung der einzelnen Maler nicht gerecht, wie sich auch am Werk Schmidt- Rottluffs ablesen läßt.

Karl Schmidt wurde am 01. Dezember 1884 in Rottluff bei Chemnitz geboren. Bereits während seiner Schulzeit entwickelte sich neben einem starken Interesse an Philosophie auch seine Begeisterung für die Kunst. Gemeinsam mit dem nur wenig älteren Erich Heckel besuchte er Ausstellungen im örtlichen Kunstverein. Die aus dieser Zeit stammenden Werke orientierten sich noch an dem vorherrschenden realistischen Stilideal. Als Motive interessierten ihn vor allem Landschaften. Die direkte Auseinandersetzung mit der Natur blieb auch für sein späteres Werk ein zentrales Thema.

1905 begann Schmidt- Rottluff ein Architekturstudium in Dresden, das er aber bereits nach wenigen Monaten wieder abbrach, um sich ganz der Malerei zu widmen. Im gleichen Jahr lernte er durch seinen Schulfreund Erich Heckel zwei weitere kunstbegeisterte Architekturstudenten kennen, Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl. Gemeinsam gründeten die vier Studenten die Künstlergemeinschaft "Brücke ". Neben den gemeinsamen künstlerischen Ansichten und Neigungen war der entscheidende Grund für den Zusammenschluß die Notwendigkeit einer festen Organisation, um auf diese Weise in gemeinsamen Ausstellungen an die öffentlichkeit treten zu können. In einem Brief an Emil Nolde hebt Schmidt- Rottluff die Absichten der Gruppe hervor, "alle revolutionären und gärenden Elemente an sich zu ziehen ", Ausstellungen zu organisieren und in Deutschland wandern zu lassen, "so daß der einzelne des Geschäfts enthoben ist " und schließlich "die Schaffung eines eigenen Ausstellungsraums ". Ein Grundanliegen der "Brücke ", das sie mit vielen anderen Künstlergemeinschaften jener Zeit teilte, war der Wunsch, die ursprüngliche Suggestionskraft der Kunst zu erneuern. um das zu erreichen, wollten die Künstler sich von der rationalen Sehweise des gebildeten Europas loslösen und setzten sich stattdessen mit außereuropäischen Kulturformen und Primitivismus auseinander. Viele Zeitgenossen empfanden Bilder wie die Schmidt- Rottluffs als roh und ungehobelt. Man kritisierte, machte sich lustig und sah in den Werken häufig nur Ausgeburten subjektiver Willkür und hemmungsloser Sensationsmache, während die Künstler selbst ihre rigorose Formverknappung als etwas entwicklungsgeschichtlich Notwendiges begriffen.

Während seiner Zeit bei der "Brücke " entdeckte Schmidt- Rottluff seine Begeisterung für das Meer. Nachdem er Emil Nolde ermuntert hatte, ein Mitglied der Brücke zu werden, folgte von Nolde eine Gegeneinladung, daß Schmidt- Rottluff ihn auf der dänischen Insel Alsen besuchen möge. Schmidt- Rottluff war von der klaren Landschaft und der Kraft des Wassers fasziniert, und bald darauf sah er sich zusammen mit Heckel nach einer dauerhaften Bleibe am Meer um. Sie fanden sie in Dangast, einem winzigen Nordseebad am Jadebusen. Von 1907 bis 1912 hielt sich Schmidt- Rottluff dort jährlich mehrere Monate auf. Die weite, einfache Landschaft dieser Gegend regte ihn zu vielen Bildern an. Zudem kam die Abgeschiedenheit des kleinen Dorfes dem einzelgängerischen Typ Schmidt- Rottluffs entgegen, der sich auch in der "Brücke " immer etwas absonderte. Während dieser Aufenthalte gelangte Schmidt- Rottluff nach intensiven, einsamen Auseinandersetzungen mit seiner umgebung zu dem farbigen Flächenstil, der für die "Brücke " charakteristisch wurde.

Im Jahr 1911 zog die "Brücke " nach Berlin um, und die Gemeinschaft der Künstler wurde lockerer. Die Künstler begannen, ihre eigenen Wege zu gehen. Auch Schmidt- Rottluff orientierte sich in dieser Zeit neu. Der französische Kubismus beeinflußte ihn, zugleich nahm er die Farbigkeit in seinen Bildern zurück und entdeckte die Körperlichkeit neu. Als sich die "Brücke " 1913 auflöste, traf das Schmidt- Rottluff sehr. Zwar war ihm nie an einer allzugroßen Vertrautheit gelegen, doch der Rückhalt der Gruppe hatte ihm viel bedeutet. Die wachsende Vereinsamung empfand er als belastend. um ihr entgegenzuwirken, verbrachte Schmidt- Rottluff den Sommer 1914 mit seiner Schwester und ihrer Freundin im Holsteinischen Hohwacht. Der Ausbruch des Krieges zwang sie jedoch, nach Berlin zurückzukehren, und 1915 wurde Schmidt- Rottluff eingezogen, so daß er für Jahre nicht mehr malen konnte.

Mit dem Ende des Krieges 1918 begann das Publikum, die Künstler des Expressionismus anzuerkennen. Obwohl Schmidt- Rottluff das Interesse der öffentlichkeit zu schätzen wußte, wollte er weitab vom Großstadtbetrieb neuen Boden für sein Schaffen finden. Immer noch stand das Zwiegespräch zwischen dem Künstler und der intensiv erlebten Natur im Vordergrund, ähnlich wie bei den Künstlern der Romantik, doch versteckte sich bei Schmidt- Rottluff die Zartheit dieses Erlebnisses hinter groben, großflächigen Formen. Im Sommer 1920 fand Schmidt- Rottluff in Jershöft, einem kleinen Fischerdorf in Hinterpommern an der Ostsee, den Ort, an dem er die untrennbare Einheit von Mensch und Natur in ihrer ursprünglichkeit spüren konnte.

Mit den dreißiger Jahren begann für Karl Schmidt- Rottluff eine schwere Zeit. 1937 wurde er als "entarteter " Künstler gebrandmarkt und 1941 erteilte man ihm Malverbot. Schockiert vom politischen Geschehen in Deutschland zog Schmidt- Rottluff sich immer weiter in die Einsamkeit, in das Fischerdorf Rumbke am Lebasee, zurück. Es kamen die Jahre der "ungemalten Bilder ", in denen sich Schmidt- Rottluff in kleine Formate von farbigen Blättern flüchtete. 1943 wurde das Atelier, in dem er die Bilder aufbewahrte, zerbombt und die Bilder vernichtet.

Nach Kriegsende erfuhr Schmidt- Rottluff wieder mehr Anerkennung durch die öffentlichkeit. 21. 11. 1946 wurde er Ehrenbürger von Chemnitz, 1947 erhielt er einen Ruf nach Berlin an die Hochschule der Bildenden Künste. Dennoch war Schmidt- Rottluffs Neuanfang in Berlin nicht leicht. Zwar wurde seine Kunst jetzt offiziell anerkannt, doch es bestanden keine Reisemöglichkeiten, um neue Eindrücke zu sammeln, und das neue Atelier war noch fremd. Die Erlebnisse der arbeitslosen Kriegsjahre machten einen schnellen Neubeginn sicherlich auch nicht leicht. Im Herbst 1949 reiste er nach Ascona. Der Einfluß der verschiedenen Landschaften ließ neue Bilder in ihm wachsen. Von nun an konnte er wieder ausgedehnte Reisen, besonders an die Ostsee unternehmen, die für sein künstlerisches Schaffen so wichtig waren.

1964 gab Schmidt- Rottluff das Malen auf großen Leinwänden auf, da ihm dafür die Kraft fehlte und wendete sich stattdessen der Aquarellmalerei zu. Am 10. August 1976 starb Schmidt- Rottluff in Berlin im Alter von 91 Jahren. Sein künstlerischer Nachlaß ging an das 1967 gegründete "Brücke "- Museum in Berlin, wo auch heute noch viele seiner Werke zu sehen sind.



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