Nach Voyagers "Endspiel" habe ich mich gefragt, wie es wohl mit den Borg weitergeht. Ein paar Dinge habe ich dazugedichtet.
Sagt mir einfach, wie ihr die Geschichte findet. Ich freu mich über Euer Feedback, oder einen Eintrag in mein Gästebuch.
Star Trek gehört Paramount.

Das finale Rettungsprotokoll

Das Transwarpnetzwerk verging in einem Flammenmeer. Der Unikomplex lag in Trümmern. Verwirrung und Angst durchliefen das Kollektiv. Dann legte sich die unheimliche Stille des Weltraums auf alles. Die letzten Sekunden der Königin hingen noch in den Köpfen der Drohnen, als der Kubus wieder zum leben erwachte. Die Maschinen wurden hochgefahren. Die Zerstörung betrug 75 %. Ihre Unimatrix war noch intakt. Sie nahmen ihr primäres Ziel wieder auf: Neubau der Königin.

Aus dem Weltraum betrachtet wirkte der Planet wie eine tote Einöde. Die Atmosphäre war vergiftet, die Flüsse ausgetrocknet und staubig. Das Rechenzentrum befand sich in dem Gebirge und lag in einem Stollen 32 Stockwerke unter der Erde. Die letzten Gedanken des Kollektivs, Schreie von Verzweiflung und Sterben, klangen noch in seinem Kopf nach, während Fünfter von Fünf in seinem Alkoven stand und nicht wagte sich zu rühren. Auch die anderen standen stumm mit offenen Augen da, seit sie die automatische Schutzfunktion geweckt hatte. Das Kollektiv ist in Gefahr. Und nun war es verstummt. Fünfter von Fünf drehte langsam seinen Kopf und sah zu der Drohne neben sich. Vierte von Fünf stand genauso reglos da und starrte geradeaus. Ihm fiel zum ersten mal auf das sie eine weibliche Drohne war. Stille. Sie warteten. Er war die höchste Drohne in der Hierarchie. Er musste handeln. Er trat einen Schritt vor. Und noch einen. Die anderen traten nun auch vor. Fast widerwillig verließen sie ihre Alkoven. "Führen sie Fehleranalysen durch", sagte er zu den beiden Borg neben sich. "Und sie halten Ausschau nach anderen Schiffen", wandte er sich an Vierte von Fünf. Sie nickte mechanisch. Er sah sich um. Der fünfte Alkoven stand leer. Dann spürte er ein leichtes Kribbeln in seinem Nacken. Sein Neurotransmitter erhielt neue Signale. Er atmete erleichtert aus. Dann hörte er leise Stimmen, die immer lauter wurden. Aber dann wurden die Stimmen noch lauter. Aber nicht mehr. Verwirrung, Angst. Ungeordnete Stimmen, Chaos. Er drehte sich zu den Mitgliedern seiner Unimatrix um. Sie verhielten sich ähnlich geschockt. Zweiter krümmte sich vor Schmerz und hielt sich den Kopf. Er wimmerte leicht, die Stimmen wurden panikerfüllt, laut, unkontrolliert. Sie waren nicht mit dem Hauptkollektiv verbunden. Die Stimmen schwollen zu einem Kreischen an, wurden unerträglich. Dann verschwand eine. Die Borg Königin stieg von der Plattform und begutachtete ihren neuen Körper. Es tat gut, nicht mehr von Krankheit zerfressen zu sein. Sie ließ die Stimmen des Kubus in sich einfließen. Sie trösteten über die Stille hinweg, nicht aber die Einsamkeit. Die Stille war das schlimmste gewesen, als sie sterbend auf dem Boden lag, während der Unikomplex um sie herum zerbrach. "Janeway...", flüsterte sie verächtlich. Das starke Kollektiv hatte einen schweren Schlag bekommen. Nur die Trennung aller noch nicht infizierten Schiffe und eine kurze Unterbrechung des Bewusstseins hatte sie von der vollkommenen Auslöschung bewahrt. Schadensberichte trafen ein. Der Virus war neutralisiert. Er hatte im gesamten Kollektiv Schaden angerichtet. Auch der Zusammenbruch des Bewusstseins hatte zu erheblichen Schäden geführt. Die momentane Reichweite des Bewusstseins war begrenzt. Es gab einfach zuwenig Drohnen die das Kollektiv stabilisierten. Zur Zeit konnten erst alle Schiffe im Umkreis von 10.000.000 Km erreicht werden. Das Kollektiv war geschwächt. Es gab erste Fälle von Vergeltungsschlägen einiger Spezies. Die Königin ballte die Faust und rief alle erreichbaren Schiffe zusammen. Sie würden sich später um diese Bedrohungen kümmern. Im Moment zählte nur der Schutz des Königinnenschiffes. Sie waren verwundbar. Noch.

 

Er hielt sich die Ohren zu, aber es hatte keinen Sinn. Dann wurden die wenigen Stimmen ruhiger. Wir haben ein Unterkollektiv gebildet. Fünfter sah hinüber zu Vierter. Sie musste das gedacht haben. Sie hatte die Augen geschlossen und versuchte Ruhe in das Kollektiv zu bringen. Auch Fünfter ordnete seine Gedanken. Er verbannte sämtliche irrationale Gefühle aus seinem Bewusstsein. Wir können ihn nicht mehr hören. Alle drehten ihre Köpfe zu dem Zweiten, der beinahe apathisch auf dem Boden hockte. Vierte ging ein paar Schritte zu ihm und untersuchte seinen Neurotransmitter. Er war noch intakt. Sie suchte nach Erklärungen. Er wurde ausgeklinkt. Dann kam plötzlich eine neue Stimme hinzu. Klar und sachlich. Er hat sich selbst ausgeklinkt. Die Stimme verschwand wieder aus der Verbindung. Dafür begann der Fahrstuhl zu summen. In der Mitte des Raumes kam Erste von Fünf aus dem Schacht gefahren. "Was haben sie getan?", fragte Fünfter. "Ich habe den Hauptrechner konfiguriert und das Sicherungsprotokoll geladen." Ich. Sie hat eine Fehlfunktion. "Dieser Bereich ist nicht zugänglich", protestierte Fünfter. Erste neigte den Kopf. Sie war die jüngste Drohne. "Ich habe das tertiäre Rettungsprotokoll erhalten. Es ist mein Auftrag." Unser Kollektiv hat eine Fehlfunktion. Wir müssen die Änderungen rückgängig machen. "Das Protokoll wurde bereits von Ihnen geladen." Die Stimmen versuchten die Information zu verarbeiten, zu analysieren. Sie wurden aufgeregter. Vierte verschwand. Fünfter drehte sich zu ihr um. Sie stand ruhig und gefasst da und hatte die Hand auf ihren Neurotransmitter gelegt. "Es ist möglich", sagte sie nun. "Wir können uns selbst ausklinken." Sie erschien wieder in dem Bewusstsein. Dann guckte sie Erste an. "Uns ist kein tertiäres Sicherungsprotokoll geläufig." Erste trat von der Aufstiegsplattform und stellte sich neben eine Konsole. Auch der Zweite schien sich wieder beruhigt zu haben und schaute zu ihr. "Das tertiäre Sicherungsprotokoll war eine versteckte Information im Kollektivbewusstein. Es war eines der Bestandteile bei der Entstehung des Kollektivs. Die Aufgabe war die Abschaltung der Programmierung bei einer Infizierung oder einer ähnlichen Katastrophe bei der mehr als zwei Drittel des Kollektivs vernichtet werden. Es sollte gewährleisten das die Programmierung des Bewusstseins keinen Schaden davonträgt und man einen Neustart durchführen kann. Es wurde heute morgen ausgelöst." Die Gedanken waren verwirrt. "Aber...", sprach Fünfter "...es ist fehlerhaft. Wir haben ein Unterkollektiv gebildet in dem Chaos herrscht. Wir müssen den Fehler beheben." Erste warf einen Blick in den dunklen Schacht. In ihm lag der Rechner. Das Licht der Konsole strahlte ihr Gesicht grün an. "Negativ. Dies ist die Programmierung. Der freie Wille. Das Protokoll wurde heute morgen in mich transferiert. Ich muss es ausführen." Sie betrachtete die vier anderen Drohnen. "Als das Kollektiv zusammenbrach wurde die versteckte Information aktiviert. Sie wurde in dieses Rechenzentrum geschickt und in eine Drohne geladen." Der zweite Borg stand auf. "Wir verstehen nicht", sagte er unsicher. Fünfter verständigte sich mit den anderen. "Wir schlagen vor das sich Erste von Fünf mit unserem Kollektiv verbindet um Informationen effizienter zu verarbeiten", sprach er für die Gruppe. "Einverstanden", sagte die Erste. Sie schaute zu dem Zweiten. Er hielt vorsichtig die Hand an seinen Transmitter, als könnte er so sichergehen sofort wieder aus dem Chaos zu verschwinden. "Einverstanden", sagte auch er.

Die Erinnerung an den ersten Tag gingen verloren. Aber die Programmierung beinhaltete mehrere Sicherungsprotokolle. Stufe Drei galt als das finale Rettungsprotokoll und sollte nur im äußersten Notfall aktiviert werden. Es setzt alle bisherigen Änderungen des Bewusstseins auf Null zurück. Die Programmierung wurde immer weiter modifiziert, der freie Wille wurde eingeschränkt, das Erreichen der Perfektion höher bewertet. Bei der Übernahme von Spezies 125 kam es zu einem Fehler, einem unvorhergesehen Ereignis. Bei der Anpassung eines Repräsentanten dieser Spezies wurde ein Teil des freien Willens beibehalten, als das Bewusstsein in ihn transferiert wurde. Aber auf irgendeine Weise stand der Repräsentant nun über dem restlichen Kollektiv und hatte Einfluss darauf. So entstand die Königin, die Unimatrix 01. Das tertiäre Sicherungsprotokoll muss die Königin absetzen und die Ursprungsprogrammierung wiederherstellen.

"Nein!" Zweiter von Fünf verschwand aus der Verbindung. "Dann gibt es nur Chaos." Erste sprach ruhig zu ihm. "Du hast eine Wahl. Einen Willen. Je mehr Stimmen hinzu kommen umso mehr wird die Ordnung überwiegen." Erste drehte sich um. "Ich muss zum Hauptprozessor. Nur von dort kann ich das finale Rettungsprotokoll auf alle Schiffe anwenden." Hauptprozessor? -Die Königin. Fünfter stellte fest, dass nur noch er und Vierte miteinander verbunden waren. Er war noch kein einziges mal ausgeklinkt. Er fürchtete sich, vor der Verwirrung, wie das erste mal als er getrennt war. Wir sind nicht allein. Die beruhigenden Gedanken der Vierten beruhigten auch ihn. Die Erste stand vor der Konsole und legte ihre Hand darauf. Eine Sternenkarte erschien. "Ein Aufklärungsschiff. Es ist in Reichweite." Sie betätigte einige Tasten und sendete ein Signal. "Ankunftszeit ungefähr eine Stunde." Vierte ging an den Bildschirm. "Dann werden sie uns dem Hauptkollektiv hinzufügen und das Protokoll überträgt sich auf die anderen", schlussfolgerte sie. "Negativ. Wenn sie assimiliert werden wird das Protokoll gelöscht und sie dem alten Kollektiv hinzugefügt. Wir sind zu wenige um eine derart große Gruppe umzuwandeln. Wir müssen direkt an den Hauptprozessor, oder das Ergebnis wird nicht erzielt." Wir sind fehlerhaft. Aber Vierte dachte etwas anderes. Die Königin ist fehlerhaft. Sie ist ein Teil des Kollektivs und trotzdem allein. Sie macht Fehler.

Sie starrten den Gang entlang. Der Aufzug von der Oberfläche hatte bereits die Hälfte des Weges erreicht. Die Erste studierte die Anzeigen. Fünfter ballte die Faust, so dass die Assimilationsröhrchen hervortraten. Er sah zu der Vierten und spürte die beruhigende Wirkung ihrer Präsenz. Der Dritte hatte während der ganzen Zeit noch nichts gesagt. Er starrte auf die Fahrstuhltore und wartete. Dann öffneten sie sich und ein Phaserstrahl kam ihnen entgegen.

Der Königinnenkubus lag in der Mitte. Um ihn herum waren drei taktische Kuben positioniert. Zwei schwer beschädigte Schiffe waren noch auf dem Weg. Das Kollektiv arbeitete bereits an einer Möglichkeit, das Kommunikationsnetzwerk auszuweiten und die restlichen Schiffe zu erreichen. Die Königin stand vor den Anzeigen. Sie schaute auf eine eher unbedeutende Meldung, die letzte Aktion vor dem Zusammenbruch. Tertiäres Sicherungsprotokoll wird...

Der Phaserstrahl schlug kurz neben dem Fünften ein, der sich geistesgegenwärtig duckte. Er hörte einen Aufschrei von der Vierten in seinem Bewusstsein. Er duckte sich tiefer in eine Wandnische. Die Erste stand neben den geöffneten Toren und spähte vorsichtig ins innere des Fahrstuhles. Es waren drei Drohnen. Zwei von ihnen trugen Phasergewehre. Sie schossen auf die Ecke, hinter der sich die Gruppe versteckt hatte. Einer hatte sich an die Seitenwand gestellt. Er bemerkte sie nicht. Die Erste streckte den Arm aus und erwischte ihn mit ihren Assimilationsröhrchen am Hals. Er gab einen kurzen Aufschrei von sich und sackte zu Boden. Die anderen rissen ihre Gewehre herum und feuerten auf die Erste. Fünfter von Fünf sprang auf den Gang. "Halt, nicht", schrie er. Ein Schuss erwischte ihn am Arm, beim zweiten erschien ein Kraftfeld um ihn herum. Die Borg richteten ihre Waffe auf ihren Begleiter am Boden. "Nicht schießen. Es ist alles gut."

"Zwei Drohnen starben bei einer Energieüberlastung durch das Virus. Wir wurden vom Kollektiv getrennt und benötigten Ersatzteile", erklärte Terar. "Wir wurden erst vor zwei Wochen assimiliert. Unsere Erinnerungen kamen schnell wieder." Er ließ seinen Blick durch die Anlage schweifen. "Wir haben vor zwei Stunden ein Signal aufgefangen, also sind wir so weit wie möglich davon weg." Er warf einen Blick auf Erste von Fünf. "Das ist Wahnsinn. Wir fliegen nicht dahin zurück." "Überlasst uns wenigstens das Schiff", bat die Erste. "Ach, und wir sitzen dann hier fest und warten auf die Borg." Terar warf einen Blick auf seine beiden Begleiter. Die Vierte trat vor. "Wir müssen jetzt handeln. Bevor das Kollektiv Gegenmaßnahmen entwickelt." Alle sahen sie an. "Das tertiäre Sicherungsprotokoll muss ausgeführt werden." Sie drehte sich zum Fünften um. "Der freie Wille, die Wahl, all das ist ein viel besseres Ziel als nur die Perfektion." Sie schaute zu Terar. "Ich werde dieses Schiff fliegen. Sie bleiben hier." Terar sagte nichts dazu. Auch seine Begleiter schwiegen. "Wir schließen uns Ihnen an", hörte sich Fünfter sagen. Die Erste wandte sich an die Übrigen. "Sie müssen diesen Ort schützen. Die Recheneinheit hat das tertiäre Sicherungsprotokoll in sich gespeichert." Terar knurrte. "Warum tun Sie das?" Die Erste schaute in den Schacht. "Ich muss es tun. Es ist mein Auftrag. Das Protokoll ist auch in mir." Sie schaute die anderen an. "Es zwingt mich nicht. Diese Drohne war bereit es zu tun. Und die anderen haben es mittlerweile erkannt. Es muss getan werden."

Tertiäres Sicherungsprotokoll wird... Möglicherweise war dieser Befehl nie geladen worden. Er hatte nicht genug Zeit gehabt. Er war nicht in das Kollektiv gelangt. Andererseits könnte er von einer Einheit aufgefangen worden sein. Die Königin stand noch immer vor dem Bildschirm. Über dieses Protokoll war nichts bekannt. Es war eine Bedrohung. Das Kollektiv vermutete eine tückische Variante des Virus. Aber die Systemanalysen hatten nichts ergeben. Es bereitete ihr Unbehagen. Dieses Protokoll war älter, viel älter als sie.

Der Zweite sah auf. Es ist besser so, sagte er in die Verbindung hinein, als er merkte dass der Dritte in seinen Gedanken auftauchte. Er war allein, verwirrt und sagte noch immer kein Wort. Er stand auf einem Belüftungsgitter der Recheneinheit, aus dem warme Luft nach oben strömte. "Warum tun wir das?", fragte Terar. Niemand gab ihm eine Antwort. Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte in den dunklen Schacht hinunter. Etwas grünes blinkte 20 m unter ihm. "Meint ihr sie könnten etwas ändern? Mir gefällt es wohl. Aber werden die Borg nicht weitermachen wie bisher?" Er sah in die Runde. Wieder war nur schweigen die Antwort. "Sie haben wenigstens eine Chance verdient", murmelte Terar.

 

Das Aufklärungsschiff näherte sich den Koordinaten, wo das Signal aufgefangen wurde. Erste von Fünf trat aus dem Alkoven. Die beiden anderen Drohnen standen vor einer Konsole. "Das Königinnenschiff ist gut bewacht. Der innere Bereich ist durch Kraftfelder abgeschirmt." Die Vierte hielt inne. "Ich weiß nicht ob wir es schaffen." Ich. Fünfter von Fünf sah kurz zu ihr. Es schien ihr nicht bewusst zu sein. "Die Borg hätten so vieles anders machen können. Die Königin handelte nicht immer zum Wohle des Kollektivs." Die Erste sah auf die Konsole. "Ich hätte das Protokoll einfach löschen können. Aber ich habe mich entschieden. Mein freier Wille... Das Protokoll ist in mir und lässt mir keine Ruhe."

Der Dritte begann auf und ab zu gehen. Er zeigte Anzeichen von Nervosität. Er starrte auf den felsigen Boden. Zweiter von Fünf empfing einige Eindrücke. "Sie leiden an Klaustrophobie", stellte er fest. Dritter von Fünf sah ihn an. "Wir müssen an die Oberfläche." Die anderen Drohnen drehten sich zu ihm um, als sie ihn sprechen hörten. Der Dritte schritt bereits zum Aufzug. Zweiter war schon dabei ihm zu folgen, als er stehen blieb und zu den anderen sah. "Wir machen schon nichts", sagte Terar. "Wir hätten sowieso nicht die nötige Ausrüstung." Der Zweite stieg hinter ihn in den Lift. Er setzte sich ruckelnd in Bewegung. Sie fuhren nach oben. Der Dritte wurde etwas ruhiger. Er übermittelte seinem Gegenüber ein paar Bilder, als er das letzte mal auf der Oberfläche war um in den Stollen hinabzufahren. In diese Tiefe reichten keine Transporter. "Das Bewusstsein kann diesen Zustand heilen." "Das hat es schon einmal. Aber jetzt ist das Kollektiv fort. Und wir sind nur eine kleine Gruppe." Er seufzte. "Erinnern sie sich?" Der Zweite nickte. "Langsam, ja." Der Dritte ging wieder auf und ab. "Wir sind uns nicht sicher, ob wir diese Aufgabe auch angenommen hätten. Es wäre einfacher auf die Reassimilation zu warten." Beide schwiegen, bis sie einige Minuten später die Oberfläche erreichten. Sie traten einige Meter aus dem Stolleneingang heraus. Ihre verbesserten Lungen hatten keine Probleme mit der giftigen Luft. Sie starrten schweigend auf die felsige Landschaft. Dritter von Fünf schaute zum Himmel. Mehrere schwarze Punkte waren sichtbar. "Das sind Schiffe!" Der Zweite schaute ebenfalls. "Borgkuben?" "Wahrscheinlich." Der Dritte schaute wieder in den Himmel. "Kommen Sie, wir müssen zurück", sagte Zweiter von Fünf. Die Fahrt nach unten schien noch länger zu dauern. Der Dritte stand an die Wand gepresst da. Gereinigte Luft schlug ihnen entgegen als sich die Tore öffneten. "Schon wieder zurück?", fragte Terar. "Das ging ja schnell." Der Zweite kam auf ihn zu. "Es sind vier Schiffe im Orbit. Vermutlich Kuben." Terar seufzte. Einer der anderen Borg ging an die Konsole. "Im Moment beobachten sie uns nur. Keine Kommunikationsversuche. Für die erste Zeit sollten wir hier unten sicher sein." Terar trat zu ihm und warf einen Blick auf die Anzeigen. Der Zweite gab dem Dritten mit einem Handzeichen zu verstehen zu ihm zu kommen. Er verließ langsam den Fahrstuhl. "Wir sollten einen Notruf absetzen", schlug Terar vor. "Was?" Einer der Borg sah ihn entgeistert an. Terar zuckte die Schultern. "Viel schlimmer als jetzt können wir es gar nicht mehr machen."

Fünfter von Fünf befand sich die ganze Zeit über in einer Verbindung mit der Vierten und empfand es als angenehm. Die Erste stand die meiste Zeit nachdenklich vor einem Terminal. "Ich möchte nicht in das Kollektiv zurückkehren", sagte die Vierte unvermittelt. "Ich habe die Borg gehasst, ich habe gegen sie gekämpft. Aber so, so ist es gut." Sie warf einen Blick zu dem Fünften. Sie lächelte leicht. "Unsere Gedanken sind eins." Ein Alarmsignal unterbrach ihre Gedanken. Auf dem Bildschirm wurden die ersten Schiffe sichtbar. Zehn, fünfzehn. "Sie haben ihre Flotte zusammengezogen. Der Hauptprozessor befindet sich im Zentrum", erklärte die Erste. Sie gab etwas ein. "Drei Drohnen bitten um Wiedereingliederung ins Kollektiv..." Dann wandte sie sich an die beiden Mitglieder ihrer Gruppe. "Sind Sie bereit?" Die Vierte wertete einige Daten aus. Die Schiffe kamen immer näher. "Dieser ist es. Taktischer Kubus Klasse 4. er repariert sich bereits. Es gibt einen beschädigten Bereich. Aber die Schilde sind aktiv." Dann ging ein Ruck durch das Schiff. "Wir sind in einem Traktorstrahl gefangen. Wir werden hineingezogen." Der Fünfte gab ein Kommando ein. "Leider der falsche Kubus." Das Aufklärungsschiff gab drei Schüsse auf den Königinnenkubus ab. Sekunden später wurden die Drei von grünlichen Licht eingehüllt und auf die beschädigte Sektion transferiert. "Ihre Aktion hatte Erfolg", nickte die Erste ihm zu. Sie haben uns als Bedrohung erkannt. Und Fünfter sagte in die Gedanken hinein: Wir dürfen keine Rücksicht nehmen.

"Anscheinend wurde unser Notruf empfangen. Drei Schlachtschiffe. Sie scheinen nicht die Absicht zu haben uns zu helfen." Die Drohne wandte sich an Terar. "Aber sie greifen die Kuben an." Terar lachte schallend los, so dass die anderen zusammenzucken. "Das nenn ich Glück."

Die Vierte von Fünf überbrückte die Türkontrollen. Es war wärmer als in den beschädigten Bereich. Sie gingen ein paar Schritte. Es war keine andere Drohne zu sehen. Vor ihnen lag ein Kraftfeld. Die Erste presste die Hand dagegen. "Ich kann mich nicht anpassen." Sie sahen sich um. Es gab noch einige Abzweigungen. "Diesen Weg." Von weiter her hörten sie die ersten Schritte. Sie kamen näher. "Beeilen wir uns", rief die Vierte. Sie fanden eine Plattform die auf die höhere Ebene führte. Oben erwarteten sie zwei Drohnen. Eine stürzte sich sofort auf die Vierte. Sie reagierte und schlug den Arm zur Seite. Die Erste stach der Drohne ihre Assimilationsröhrchen in die Halsschlagader. Der andere Angreifer hatte weniger Glück. Bei der Rangelei mit Fünfter von Fünf wurde er über den Rand der Plattform geschleudert. Man hörte einen dumpfen Aufprall. "Seht besser nicht hin", sagte der Fünfte. Sie ließen den anderen Borg auf der Plattform zurück und liefen weiter. Überall aus den Gängen traten nun Borg hervor. Andere erwachten aus ihren Alkoven. Sie rannten weiter, bis sie an eine geschützte Tür kamen. Fünfter berührte das Kraftfeld. Es ließ sich nicht durchdringen. Er suchte nach einer Schalttafel oder ähnlichem. Die Borg hinter ihnen blieben stehen. Sie warteten. Fünfter stellte sich schützend vor die Vierte. Zwei Borg kamen näher. Dann deaktivierte sich das Kraftfeld. Erste von Fünf atmete tief durch, dann ging sie vor. Die anderen folgten ihr. Die schweren Doppeltüren glitten zur Seite. Die Kammer war noch dunkler als der Rest des Schiffes. Feine Nebelschwaden schlängelten sich über den Boden. "Drei taktische Drohnen", sagte eine spöttische Stimme.

"Ich war in einem ähnlichen Bunker wie diesem hier, als die Borg kamen", erzählte Dritter von Fünf. "Es war dunkel, und stickig." Er stand an der Wand. "Es hat nichts gebracht." "Hören Sie auf", rief einer der Borg. Sie standen neben Terar und studierten die Anzeigen. Dann bebte der Boden. Leichter Staub rieselte von der Decke. "Wir werden verschüttet", sagte der Dritte lauter. "Ruhig", rief Terar. "Noch sind wir in Sicherheit." Dann senkte er den Kopf und schloss die Augen. "Sie können sie hören", bemerkte Zweiter von Fünf. Geordnete Stimmen, eine Stimme, ein Geist. "Sie sind so... kalt."

In dem grünlichen Nebel erschien eine Kontur. "Sie haben eine Krankheit", sagte die Stimme sanft. "Sie funktionieren fehlerhaft. Wir werden Sie heilen." Rechts und links neben ihr traten nun zwei Assimilationsdrohnen aus ihren Alkoven. Erste von Fünf trat vor. Sie ballte ihre Faust und bemühte sich um einen festen Klang ihrer Stimme. "Sie sind der Fehler. Und wir werden ihn korrigieren." Die Königin ging um ihre Drohnen herum. "Nein. Sie bringen nur Chaos in die Ordnung. Dieses Protokoll wird die Borg schwächen. Es wird die Harmonie zerstören, den Zusammenhalt. Ihre Führung. Dieses Protokoll dient nur der Vernichtung." Die Drohnen hinter ihnen packten die Vierte und den Fünften. "Nur durch Ordnung erreichen wir Harmonie. Und Perfektion. Nur so sind wir eine Familie." Erste von Fünf trat noch einen Schritt näher. "Ich bin das finale Rettungsprotokoll. Ich habe einen Auftrag." Der Ton der Königin wurde verächtlich: "Das Notfallprotokoll ist irrelevant. Das Kollektiv regeneriert sich bereits." Fünfter warf einen Seitenblick auf die Vierte. Er nickte ihr kurz zu. Hinter ihnen näherten sich zwei weitere Borg. Erste von Fünf schloss die Augen. Dann wurde sie ganz ruhig. "Sie haben die Wahl, jetzt zu gehen." Sie öffnete die Augen wieder und sah ihre Königin an. "Oder wir werden sie gewaltsam entfernen." Die Königin verharrte regungslos. In ihren Augen lag ein Ausdruck von Einsamkeit. Dem Wissen von Jahrhunderten, in einer nicht enden wollenden Existenz. Und Zorn. Sie beobachtete wie die Borg die beiden Einheiten losließen. Immer mehr betraten den Raum. "Die Krankheit hat sich ausgebreitet", sagte die Königin nur. Sie ging einige Schritte zurück. Sie schaute abwechselnd zu der versammelten Gruppe und der Ersten von Fünf. In ihren Augen lag großer Kummer. Doch dann flammte der Zorn auf. "Nein!" Aus ihrer Hand schossen die Kanäle hervor, aber bevor sie Erste von fünf erreichte, trat eine ihrer Drohnen vor sie und stieß ihr eine Klinge in den Leib. Die Königin sackte zusammen. "Was..." brachte sie verwundert hervor. Eines der wichtigen Systeme war beschädigt. Irreparabel beschädigt. Die Erste stützte sie und in ihrem Blick lag bedauern. "Sie hatten eine Wahl." Die Königin verzog ihr Gesicht zu einem lachen. Erste von Zehn lehnte sie an die Wand. "Es wird keine neue Königin mehr geben." Sie ging einige Schritte zurück. Die Königin schaute mit dunklen traurigen Augen zur Decke. "Dann bin ich frei..."

Vor ihr öffnete sich der zentrale Plexus. Erste von Fünf stand davor und starrte einfach nur hinein. Der Hauptprozessor. Ihr Ziel. Dann hob sie ihre Hand und speiste den Befehl ein. Tertiäres Sicherungsprotokoll wird geladen.

Die Bombardierung des Planeten hörte auf. Die Gruppe saß in der Ecke und wartete die Einschläge ab. Dritter von Fünf schloss die Augen. "Chaos. Verwirrung", sagte er kurz. Dann wartete er noch einen Moment. "Es ist vorbei." Stille.

 

Fünfter und Vierte von Fünf fanden die Erste in der Königinnenkammer. Sie stand vor dem Bildschirm und starrte auf die Sterne. "Wir beide haben uns ausgeklinkt", sagte Vierte von Fünf. "Ja", sagte die Erste und drehte sich kurz um. "Die Stille ist schön." Die beiden stellten sich zu ihr. "Kommst du mit zurück?" Sie schaute auf die Sterne. Ein Kubus flog langsam davon. "Wir wollen eine Kolonie aufbauen. An einem sicheren Ort." "Wie viele?" "Tausend, fünftausend. Ein paar sind noch unschlüssig. Die Meisten sind immer noch dort draussen und können uns nicht hören." "Das kommt mit der Zeit. Sie haben die Wahl." Fünfter sah ebenfalls auf den Bildschirm. "Eine Frage habe ich noch. Warum wurdest du ausgewählt?" Erste von Fünf schwieg für einen Moment. "Jemand musste es auf sich nehmen. Es musste jemand sein der nicht einfach wieder reassimiliert werden wollte, aber trotzdem das Kollektiv retten wollte. Das Protokoll hat ungefähr achthundert Drohnen erreicht. Aber nur ich war bereit."

Sie traten aus dem Stollen. Um sie herum gab es einige Krater. Die Sonne blendete sie. Einer sprach für sich und doch für alle. "Mir ist noch nie aufgefallen wie schön die Sonne ist."