Disclaimer: Star Trek ist Eigentum von Paramount, aber die Charaktere gehören mir. Das meiste hab ich eh dazuerfunden.
Es ist meine erste Story, also sagt mir bitte was ihr davon haltet.
  Danke Talshiar, für´s Korrektur lesen.
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Borg Story

Teil 1 - Chaos

 

Die beschädigte Borgsphäre öffnete einen Transwarp-Kanal und verschwand darin, bevor das unbekannte Schiff noch einmal feuern konnte. Eight of Ten stand vor dem Zugriffsterminal und überwachte die Energiewerte. Sie waren schwer beschädigt worden. Als die Verbindung zum Kollektiv abbrach, konnten sie sich nicht mehr an die Phaser des Gegners anpassen. Waffenfrequenz unbekannt. Dieser hatte mit einem gezielten Treffer ihre Waffen deaktiviert. Eight of Ten ließ ihren Blick über die Gänge schweifen. Die Alkoven waren von einer Energieüberlastung getroffen worden, eine deaktivierte Drohne lag auf dem Boden. Die überlebenden Drohnen hatten sich in einen anderen Teil des Schiffes zurückgezogen. Alles war ins Chaos gestürzt worden. Keine der Drohnen hatte sich nach den Protokollen verhalten. Allein. Verwirrt. Angst. Eine Stimme. Eight of Ten schüttelte darüber den Kopf. Als sie sich dieser Tätigkeit bewusst wurde, hielt sie überrascht inne. Der Angriff und die Trennung vom Hive waren erst vor ein paar Minuten geschehen. Eight of Ten überkam ein Schwindelgefühl, sie stützte sich an der Konsole ab. Schwäche ist irrelevant. Emotionen sind irrelevant. Es musste an ihrer unvollständigen Regeneration liegen. Einige Anzeigen blinkten auf. Der Transwarp-Kanal war instabil. Eight of Ten leitete die verfügbare Energie in die Schilde und überprüfte die Zielkoordinaten. Allein. Sie war daran gewöhnt andere Stimmen und Gedanken in ihrem Kopf zu hören. Sie hatte diesen Kanal geöffnet. Sie hatte vollkommen irrational gehandelt. Sie hatte Angst bekommen. Sie hätten die Fremden assimilieren müssen. Eine kurze Erschütterung ging durch das Schiff. Die Anzeigen begannen wieder zu blinken. Energieausfall. Sie wollte gerade kompensieren, als eine gewaltige Druckwelle das Schiff erfasste. Die Borgdrohne registrierte wie sich ein Energieverteilungsknoten überlud, als sie auch schon durch die Wucht der Explosion zu Boden geschleudert wurde, wo sie benommen liegenblieb. Ten versuchte sich auf die Seite zu drehen, aber das Ausmaß der Turbulenzen nahm immer mehr zu. Leitungen und Verteilerknoten lösten sich und fielen auf sie herab. Das gesamte Schiff neigte sich zur Seite. Eight of Ten wurde gegen einen Alkoven gedrückt. Der Kanal konnte jeden Moment kollabieren. Sie hatte versagt.

"Die volle Benennung." "Eight of Ten. Unterkreuzung von Unimatrix four-two-five." "Und deine Aufgaben?" "Medizinisch-technische Reparatureinheit." "Also eine Krankenschwester." Drey lächelt ihr zu. Sie zieht eine Braue hoch, beobachtet, wie Drey die Daten in sein Computerterminal eingibt. "Und dein richtiger Name?" "Irrelevant. Sie dürfen mich Ten nennen." "Möchtest du mir vielleicht etwas von dir erzählen?" "Nein", sagt sie und verschränkt die Arme vor der Brust. "Ich sehe keine Notwendigkeit darin." "Wie kommst du hier klar?" "Gut", sagt sie und sieht die Pflanze auf Dreys Schreibtisch an. "Regenerierst du dich?" "Ja", sagt sie und es klingt stolz. "Wo wurdest du untergebracht?" Sie überlegt einen Moment. "Wir sind registriert unter der Adresse von Paura. Wohneinheit 12." "Wir?", fragt Drey. "Zwei weitere Personen wohnen dort mit uns." Mehrere Borg pro Wohneinheit. Die Einteilungen wurden von der Sternenflotte durchgeführt, aber es war gestattet Vorschläge abzugeben. Drey überfliegt schnell sein Padd. "Sie sagte, du könntest auch später noch bei ihr bleiben, bis du alt genug bist." "Korrekt", antwortet Ten kühl. "Wie lerntest du Paura kennen?" "Sie war bei dem Absturz dabei." Drey lächelt leicht. "Das ist mir schon klar. Wie genau? Wann?" Die Trümmerteile lagen über das gesamte Gebiet verstreut. Sie hörte Stimmen. Von überall her. "Irrelevant." "Das soll kein Verhör sein. Du brauchst nicht nervös zu sein." "Wie kommen Sie zu dieser Vermutung? Ich verspüre keine Nervosität." Sie betrachtet weiter die Zimmerpflanze. "Efeu. Pflanzen geben jedem Raum eine schönere Ausstrahlung." Drey nimmt einen Schluck Kaffee. "Und du möchtest wirklich nichts trinken?" "Nein." Sie schüttelt leicht den Kopf. Menschen, Individuen. Counselor Drey führt Gespräche über das Dekor. Er wiederholt sich mit Fragen. Sie findet diese Konversation irrelevant. Sie könnte wesentlich schneller vorangehen, wenn er sich nur auf die Fragen beschränken würde. "Du weißt, warum du hier bist?" "Korrekt. Ich bekam einen Befehl von der Sternenflotte." Eine Aufforderung sich heute in diesem Büro zu melden. Keine überflüssigen Floskeln. Sehr effizient. "Es war mehr eine Einladung. Wir müssen doch sehen, dass..." Drey sucht nach passenden Worten. "Dass wir keine Bedrohung sind", ergänzt sie ihn. Drey seufzt. "So will ich das jetzt nicht sagen. Die meisten Borg sind froh dem Kollektiv entkommen zu sein. Aber manche auch nicht. Sie kennen nichts anderes, oder kommen mit der neuen Situation nicht zurecht. Ihnen fällt es schwerer sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren." Sie sieht abwesend aus dem Fenster. "Ich sehe schon, dieses Gespräch ist ein wenig langweilig für dich", lächelt Drey. Sie dreht sich um. "Diese Sitzung ist irrelevant. Meine äußeren Implantate wurden fast vollständig entfernt. Ich habe keine Probleme mich anzupassen." "Paura sagte mir da etwas anderes." Sie starrt weiter die Pflanze an. "Also, ich denke wir machen einmal pro Woche eine Sitzung. Das ist das beste."

 

Eight of Ten öffnete die Augen. Durch den Aufprall auf die Planetenoberfläche hatte sie kurzzeitig das Bewusstsein verloren. "Eingabefehler." Ihr Ruf blieb unbeantwortet. Ihre Stimme zu hören war ungewohnt. Der Klang, verzerrt durch die Implantate. Fremd, nicht ihre. Leise, schwach. Allein. Sie schob ein paar leichte Trümmer von sich, während sie die Situation erfasste. Einer der Alkoven war aus seiner Halterung gerissen worden und begrub sie nun halb unter sich. Die Energie war ausgefallen, nur vereinzelte Displays flackerten unrhythmisch. Sie versuchte nach vorne zu kriechen um so unter dem schweren Gerät wegzukommen. Ihr Bein fühlte sich eigenartig taub an. Sie tastete nach dem Trümmerteil auf ihren Beinen, spürte etwas warmes an ihrer Hand. Sie bewegte etwas ihren Oberkörper, um besser sehen zu können. Eine rote Flüssigkeit sammelte sich an einer Wunde am Oberschenkel. Die Panzerung hatte das meiste abgefangen. Ihre Nanosonden reichten nicht aus um die Verletzung zu heilen. Sie spürte ihren Herzschlag. Angst ist irrelevant. Sie konzentrierte ihre Gedanken auf die Borg-Protokolle, aber es gelang nicht. Sie war beschädigt. Keine andere Drohne war in der Nähe. Sie sah sich um. Der Rest der Sphäre schien sicher zu sein. Sie musste es schaffen zu der intakten Konsole zu gelangen. Vielleicht drei Meter. Sie zog an ihrem Bein, versuchte es unter der schweren Last zu bewegen. Der Befreiungsversuch schlug fehl. Ihr wurde schwarz vor Augen.

"Ten, bist duīs?" "Ja." Ten geht ins Zimmer, sieht aus dem Fenster. Durch die transparente Röhre schwebt gerade die Bahn los. Sie sieht ihr ein Stück nach. Paura kommt aus ihrem Schlafzimmer, ein Padd in der Hand. "Stell dir vor, ich werde vielleicht bald im Wissenschaftslabor arbeiten können." Ten dreht sich zu ihr um, betrachtet sie kühl. "Mit deinem Wissen wirst du den anderen dort überlegen sein." "Ich sehe das als Kompliment. Aber ich gehe nicht dorthin um mit meiner Borgarroganz alles kaputtzumachen." Sie versucht in Tens verschlossenes Gesicht zu sehen. "Ich will dort arbeiten um Freunde zu finden, weil ich Spaß haben will." "Forschung ist zeitaufwendig. Eine Assimilation wäre weitaus einfacher." Paura schüttelt den Kopf. "Es ist viel aufregender, abenteuerlicher. Die Wissenschaft hat noch immer so viele Geheimnisse für uns. Sie zu entschlüsseln ist eine Herausforderung", sagt Paura begeistert. "Und es ist zeitaufwendig. Im Kollektiv könnte man seine Arbeit wesentlich besser koordinieren." Paura sieht sie nachdenklich an. "Du bist hier nicht auf einem Kubus", sagt sie streng. Ten weicht ihrem Blick aus und geht ins Badezimmer, betrachtet sich im Spiegel. Dunkle Ringe unter den Augen. Sie streicht sich über ihre kurzen Haare. Die Veränderung hatte nur ein paar Tage gedauert. "Wo sind die anderen?" "Spazieren." "Wozu?" "Das Wetter ist schön und sie wollten mal entspannen. Sehen sich die Gegend an." "Ich verstehe." "Wie warīs bei Drey?" "Ich weiß nicht", antwortet sie ausweichend. "Sowas muss man doch wissen." "Ich sehe keinen Sinn in dieser Behandlung." "Dafür ist es noch zu früh. Siehst du, du sollst dich hier anpassen und keine Schwierigkeiten wegen dieser Borggeschichte haben." "Ich habe schon verstanden, worum es geht." "Wie du meinst."

"Halten Sie still." Eight of Ten spürte, wie sich die Last auf ihrem Bein verringerte. Sie blinzelte und erkannte zwei Drohnen, die den Alkoven beiseite räumten. Sie fassten ihr unter die Arme, zerrten sie aus den Trümmern heraus. Als sie versuchte sich hinzustellen, sackte sie fast augenblicklich wieder weg.

Paura betrachtet sie nachdenklich. Ten ignoriert diesen Blick und will sich in ihren Bereich der Wohnung begeben. Den Pullover trägt sie seit sie mit dem Transport hierher gebracht worden waren. "Du solltest dir neue Kleidung replizieren, die den Heilungsprozess deiner Haut fördert. Unser Replikator steht hier seit heute morgen und du merkst es nicht mal." Paura deutet auf das eingelassene Gerät in der Wand. Ten zieht eine Braue hoch, als Zeichen, dass sie kein Interesse an dieser Konversation hat. "Ich habe es bereits zur Kenntnis genommen." "Ist das denn nicht toll?", fragt Paura trotzdem. "Meine Freude darüber wäre irrelevant." "Du kannst haben, was du willst. Ist das denn nichts?" Sie strahlt Ten an, die verzieht keine Miene. "Meine jetzigen Rationen reichen völlig aus." "Deine Kleidung muss erneuert werden", sagt Paura in eher borgtypischer Sprache. "Diese ist nicht mehr effizient." Ten trägt nur schwarz. Dazu sehr gefährlich aussehende Klingonenstiefel. "Was dir gefällt", fügt sie hinzu, als sie Tens zweifelnden Blick sieht. Sie lächelt ihr zu. Das Mädchen lässt ihren Blick zum Replikator wandern. "Einverstanden", sagt sie unsicher. "Die Bearbeitung dieses Antrages dauerte zwei Tage", sagt eine kalte Stimme hinter ihnen. Paura zuckt leicht zusammen. "Mit effizienten Methoden hätte es innerhalb von Stunden geschehen können." Die kalte Stimme eines Borg. "Aber zwei Tage sind auch schon schnell", sagt Paura. "Ja", sagt er und verzieht angewidert sein Gesicht. "Für menschliche Vorstellungen vielleicht. Aber wir sind Borg." Er dreht sich um, geht aus dem Raum. Paura sieht ihm hinterher. Ten kann ihr Gesicht nicht erkennen. "Was wollte er?", fragt Paura kühl. "Ich bin ihm im Gang begegnet. Er hat mich begleitet." Sie begibt sich in ihren Bereich. Die Tür schließt sich wieder automatisch hinter ihr. Sie bleibt stehen. Sie merkt wie angespannt sie ist. 'Paura hat sich den Menschen angepasst. Sie versucht Eight of Ten zu beeinflussen.'

 

Sie mussten ein Notsignal senden um vom Kollektiv gefunden zu werden. Sie sah hoch in den Sternenhimmel. Es war kalt.

"Wie war es, als du auf die Krankenstation kamst?" "Ich habe die Verletzungen nur wegen meiner kybernetischen Implantate überlebt." "Ja, und dann hättest du mit ihnen nicht mehr überlebt." Ten schweigt. "Du hast durch den Verlust deiner Implantate so eine Art Schock erlebt. Wie war das? Was empfandest du dabei?" "Diese Fragen sind irrelevant." Sie starrt wieder die Pflanze an. "Niemand zwingt dich zu antworten." Er gibt etwas in sein Terminal ein. "Es ist erst unsere zweite Sitzung. Wir werden schon ein Gesprächsthema finden. Also gut, darüber willst du also nicht reden ... Wie gefällt es dir hier?" "Es ist akzeptabel." "Gut oder eher schlecht?" "Ich habe keine Probleme." "Was machst du den ganzen Tag über?" "Irrelevant." "Ich denke nicht. Da wird es doch was geben. Spazierengehen, eine Runde auf dem Holodeck oder vielleicht die Schule besuchen." "Nach meiner Zeit im Kollektiv benötige ich keinen Schulbesuch mehr." "Es wäre vielleicht ganz gut für deine sozialen Kontakte." "Meine sozialen Kontakte sind völlig ausreichend." Drey lehnt sich zurück, überlegt. "Wie ist Paura?" Ten sieht ihn fragend an. "Was hältst du von Paura?" "Sie hat mich bei sich aufgenommen und hat mir somit geholfen." "Und weiter?" Ten zieht eine Braue hoch. "Was hältst du von ihr?" "Sie befürwortet diese Gespräche." "Warum?" "Sie ist ein Individuum, aber ich scheinbar nicht." Ten sieht auf die Tischplatte. "Aber du bist ein Individuum. Du hast zwar Schwierigkeiten damit, aber eine programmierte Drohne bist du bestimmt nicht mehr." "Nach ihren Maßstäben bin ich noch immer eine Drohne." Drey schweigt einen Moment. 'Im Kollektiv war ich Teil eines großen Ganzen. Tausende Stimmen sprachen wie mit einer. Jede Drohne war gleich. Verfeindete Spezies lebten in perfekter Harmonie zusammen, niemand war allein. Ein gemeinsamer Geist, eine Stimme!' Ten's Gedankengänge werden von Drey unterbrochen. "Möchtest du daran etwas ändern?" Diese Frage überrascht sie. Ihr Gesicht zeigt Staunen, dann Entsetzen. Sie schweigt. Ihr fällt keine Antwort ein. "Hier fühlst du dich allein." Sie nickt leicht. "So könnte man es ausdrücken." "Kann das zum Teil auch an dir selbst liegen? An deiner Einstellung?" Sie sagt nichts. "Paura hat mir von diesem Vorfall erzählt." Sie zieht eine Braue hoch, dann wandert ihr Blick durch den Raum. Ten zögert. "Ich war allein in der Wohnung. Schönes Wetter bedeutet mir nichts. Die anderen waren spazieren. Ich stand vor dem Spiegel. Ich schätze, ich ... habe zum ersten Mal bewusst meine Veränderungen registriert." Drey hört aufmerksam zu, sieht hin und wieder auf sein Terminal. "Ich bin nicht mehr Teil des Borgkollektivs... Unsere Implantate wurden entfernt. Wir können die Stimmen der anderen nicht mehr hören. Diese Stille. Wir sind allein. Was gab Ihnen das Recht dazu?" Drey hört deutlich die Verachtung in ihrer Stimme. Ten atmet tief ein und aus. Sie war immer leiser geworden, jetzt spricht sie in normalen Tonfall weiter. "Ich replizierte mir Kosmetik-Artikel 420, weißes Puder", erklärt sie. "Du wolltest wieder wie eine Drohne aussehen." "Dann kam Paura zurück. Sie reagierte ... gereizt." Drey tippt schnell ein paar Notizen in sein Padd. "Und du hast es ihr erklärt, wie du dich fühlst." Ten sieht Drey an. "Ja. Wir sind Borg."

"Identifiziere dich!" Sie stand in einer Gruppe von drei Drohnen. Eine Armprothese surrte mechanisch, mit seinen zwei verbliebenen organischen Fingern deutete der Borg auf sie. "Wie lautet deine Kennzeichnung?" "Eight of Ten, Unterkreuzung von Unimatrix 425." Der Borg, der sie am Arm festhielt, ließ sie los. Ten begann leicht zu taumeln. "Meine Kennzeichnung ist Five of Seven, primäres Attribut von Unimatrix 04." Auch die Borg neben Ten nannten ihre Bezeichnungen. "Eight of Ten ist beschädigt, sie funktioniert fehlerhaft", berichtete der Borg, der sie gefunden hatte. "Irrelevant", sagte Five of Seven finster. "Ihre Schäden wird das Kollektiv regenerieren. Durchsucht die Trümmer nach weiteren Komponenten. Der Bau einer Kommunikationsbarke ist unbedingt erforderlich." "Einverstanden." Die Borg entfernten sich. Five of Seven wandte sich wieder Eight of Ten zu. "Aktiviere deine Sekundärprotokolle", befahl er ihr. "Bis zu unserer Reassimilation in das Kollektiv wirst du die brauchbaren technischen Komponenten aus dieser Drohne entfernen." Sie folgte mit dem Blick seiner ausgestreckten Hand, bis sie eine tote Drohne auf dem Boden entdeckte. Stellenweise war die Panzerung eingedrückt und rissig. Sie begab sich zu ihr und kniete sich neben sie. Ihre Beschädigung ließ das zu, ohne dass sie das Gleichgewicht verlor. Mit einem schnellen Griff schraubte sie den künstlichen Arm ab und legte ihn daneben. "Für unsere Reparaturen benötigen wir jedes Ersatzteil", sagte die Drohne hinter ihr. "Ich habe verstanden." Sie hörte wie sich die schweren Schritte entfernten und arbeitete effizient weiter. Mit präzisen Handgriffen entfernte sie die äußeren Implantate durch Abschrauben oder Herausziehen. Sie untersuchte das Gesicht. Unter dem Okularimplantat quoll Blut hervor. Möglicherweise war es irreparabel beschädigt. Sie entfernte und überprüfte es. Es schien noch intakt zu sein. Das andere Auge war leicht geöffnet und starrte ins Nichts. Sie wollte das Laserskalpell an ihrem rechten Arm aktivieren, aber es war defekt. Aus den Schläuchen der entfernten Teile tropfte eine bräunliche Flüssigkeit. Um den abgetrennten Arm hatte sich eine Lache gebildet. Zwischenzeitlich kam eine Drohne und nahm wortlos die entfernten Komponenten mit. Eight of Ten konzentrierte sich weiter auf die Überlebensprotokolle. Jede tote Drohne musste zerlegt werden, die Ersatzteile dienten dem Bau einer Kommunikationsbarke. Sie arbeitete schnell und präzise. Sie trennte die weiteren künstlichen Körperteile ab und hob ein herausgebrochenes Stück der Brustpanzerung an, das im Körper steckte. Sie warf einen Blick auf die Stelle und versuchte einige innere Implantate zu sehen, aber die Verletzung war zu schmal und der Scanner in ihrem Okularimplantat ließ sich nicht einschalten. Sie zog die Platte heraus und beugte sich tiefer über die Drohne. Jetzt entdeckte die Borg ein schwarzes Kabel. Sie fasste in den Brustkorb. Ihre Hand fuhr plötzlich zurück und ein unangenehmes Gefühl überkam sie. Sie spürte wie ihre Beine langsam nachgaben. Sie zitterte. Das Blut war noch warm.

"Wir führten die Reparaturen an unserem Kubus durch, der nach einem elektromagnetischen Sturm im Raum trieb. Dabei wurden wir angegriffen. Wir haben uns aber sehr schnell an sie angepasst." "Hast du sie auch assimiliert?" "Nein. Wir waren zwar wenige, aber meine Aufgabe war es gewesen, den Traktorstrahl zu bedienen." "Wie viele Drohnen ungefähr?" "150 neu assimilierte Komponenten." "Und was denkst du heute darüber?" "Sie waren eine Bedrohung." "Weil sie Angst hatten... Erzählst du mir heute vom Absturz?" "Nein." "Kein Sinn in den Gesprächen, was?" Drey lächelt fast milde. "Es dient nur ihrer Informationsbeschaffung." "Sehen wir es als Zeitplan, in dem du dich anpasst", schlug Drey vor. "Ich bin genug angepasst." "Seit Wochen ist alles beim Alten, was? Immer die gleichen Gespräche", lächelt Drey. Ten antwortet nicht. "Also dann, bis nächstes Mal."

 

Sie beobachtete eine Drohne, die nicht weit von ihrer Position brennbares Material sammelte. Andere hatten sich um ein Feuer versammelt. Die Wärmequelle war primitiv, aber effektiv. Drei weitere Drohnen waren mit dem Bau des Notsignals beschäftigt. Insgesamt konnte sie ungefähr 25 Borg im Absturzgebiet ausmachen. Die Sphäre hatte über 10.000 Drohnen umfasst. Sie atmete tief durch. Die Luft war kühl und klar, anders als auf einem Borg-Kubus. Der tote Borg lag noch immer neben ihr. Bisher hatte niemand registriert, das Eight of Ten ihre Arbeit unterbrochen hatte. Sie konnte sich ihren Reflex nicht erklären. Das organische Material des Borg hatte sie verunsichert. Das war irrelevant. Ihre Gedanken waren allein und voller Chaos. Das Kollektiv würde wieder Ordnung hineinbringen. Und Harmonie. Eight of Ten musste effizient sein. Sie untersuchte die Drohne noch einmal. Dann griff sie in die Verletzung und vergrößerte den Riss, um mehr zu erkennen. Alle verwertbaren Komponenten wurden entfernt. Bis auf einige gerissene Schläuche und Nanosonden, blieb nur noch der organische Teil der Drohne zurück.

Ten kehrt in den Wohnbereich zurück, in dem sonst die Sternenflotten-Kadetten untergebracht werden. Der Sicherheitsbeauftragte hinter ihr, der sie begleitet hat, dreht sich um und geht den Gang wieder zurück. In der Wohnung trifft sie Drixa, die ihre Borg-Bezeichnung schon abgelegt hat. An den Armen trägt sie noch einen Teil ihrer Panzerung. Ten sieht kurz auf ihre schulterlangen Haare. Sie hat das Wachstum künstlich beschleunigt. Kleidung, Haar, ungewohnt. Ten konnten sie aufgrund ihres Alters ein Großteil der Implantate entfernen. Paura sitzt ihr gegenüber. "Möchtest du einen Tee?" "Nein." Ten bleibt stehen. "Warte hier." Paura gibt ihr ein Padd. "Mein Wohnungsantrag. Hast du dich schon entschieden?" "Ich werde nicht zur Akademie gehen." Drixa nimmt ihre Teetasse vom Tisch und ignoriert das Gespräch. "Dann ziehst du mit zu mir." Sie steht unbeweglich wie eine Drohne im Raum. "Ich möchte auf einem Schiff dienen." "Am besten Richtung Delta-Quadrant, was?", fragt Paura spöttisch. "Dieser Plan wäre vollkommen unlogisch. Er würde scheitern. Ich möchte nur von hier fort." Es scheint ihr Ernst zu sein. "Es ist wirklich nicht einfach hier, aber noch bin ich dein Vormund. Du wirst dich fügen." Paura sieht sie durchdringend an, dann entspannt sich ihr Blick wieder. "Wir sind hier unter Freunden. Du wirst sehen, wenn wir erst umgezogen sind, geht alles viel einfacher." Ten schweigt dazu und wendet sich zum gehen. "Wie war die Sitzung?" Ten sieht zu Drixa, die die letzten Sätze interessiert zugehört hat und zögert. "Ich würde es nicht als Sozialtherapie bezeichnen." "Nicht?" "Eher als eine Art verstecktes Verhör." "Nein", sagt Paura. "Er gibt sich sehr viel Mühe. Du kannst ihm vertrauen. Die Föderation meint es gut mit uns." Ten dreht sich schweigend um und geht zu ihrem Raum. Kurz vor der Tür bleibt sie noch einmal stehen und sieht zu den Beiden herüber. "Und wann berichtet ihr es unserem Freund Drey?"

Drey legt das Padd aus der Hand. Ten bereitet sich innerlich auf die nächste Frage vor. "Hast du deine Kleidung selbst entworfen?" "Diese Sachen tragen dem Heilungsprozess meiner Haut bei." "Und das Muster?" Ten betrachtet ihr düsteres Outfit. Die grob gesprenkelten, schwarz-weißen Arme fallen daran besonders auf. "Ich habe es in der Datenbank entdeckt." "Warum gerade dieses?" "Ich fand es interessant." "Warum?" "Es ist anders. Ich fand es ... schön." "Und warum gerade die Stiefel?" "Sie sind effizient." "Wofür? Kämpfe?" "Dafür sind sie gedacht. Ich finde sie optisch ansprechend." "Ach ja?" Ten sagt nichts. "Das soll keine Kritik sein. Aber so etwas zusammenzustellen ist doch schon sehr individuell." "Vielleicht." "Wie lange bist du schon vom Hive getrennt?" "Fast fünf Wochen." "Versuch doch einfach mal spazieren zu gehen. Du kannst nicht nur in eurem Quartier sitzen." Ten zieht wenig begeistert eine Braue hoch. Als sie durch die Tür geht, folgt ihr wieder der Sicherheitsbeauftragte, der in dem anderen Raum gewartet hat. Hinter Drey öffnet sich eine andere Tür und der Sicherheitschef kommt herein. "Und, konnten Sie etwas herausfinden?" "Nein, nichts. Sie ist zwar jung, hält aber mehr am Kollektiv fest als alle anderen." "Oder die zeigenīs nur nicht." "Ich bitte Sie! Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind doch alle froh darüber. Nur fühlen sie sich hier wie Forschungsobjekte. In diesen ... Baracken!" "Das ist ja auch bald vorbei. Sie werden nur noch von den restlichen Implantaten befreit." "Vorwiegend möchte ich ihnen erst mal helfen. Und keine Gespräche führen über Technologien. Das hier heißt schließlich nicht umsonst Therapie." "Ja, ja. Sozialtherapie für deassimilierte Borg. Und trotzdem halten dieīs fürīn Verhör." Drey überhörte den geringschätzigen Tonfall. "Auf so etwas wurden wir nie vorbereitet. Und sie erwarten hier Wunder von mir." Der Mann lächelt. "So etwas gab es ja auch noch nie. Sie können das hier meinetwegen als Ihre Wundertaten betrachten. Hauptsache sie verhalten sich ruhig, das reicht hier schon." "Sie halten nicht viel von der Sache?" "Als Sicherheitschef lastet eine Menge Verantwortung auf mir. In diesem Gebäude, die Menschen die hier arbeiten. Und jetzt diese Borg. Entweder sind die für oder gegen uns." "Sie kooperieren - alle." "Und das Mädchen vorhin?" "Auch sie." Der Mann reicht ihm ein Padd. "Denken sie?" "Sie macht sich noch etwas vor", antwortet Drey mit Nachdruck. "Wie die anderen?" Drey ignoriert die Frage und überfliegt schnell die Fragen auf dem Padd. "Wirklich übel, was?" Drey sieht fragend auf. "Bei Wolf 359 hätten wir sie noch abgeschossen." "Denken Sie jemand weiß etwas darüber?", wechselt Drey das Thema. "Nein, eher unwahrscheinlich. Ich denke nicht, dass sich jemand daran erinnern wird. Nicht bei einem Counselor." Drey antwortet nicht darauf. Der Mann geht an das Computerterminal und lässt sich die letzten drei Gespräche anzeigen. "Ich würde nur zu gerne wissen, was sich da abgespielt hat."