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In dem Kinofilm "First Contact" versuchen die Macher die beliebten
Elemente "Zeitreisen" und "Borg" zu verbinden. Dem Kollektiv wird
hier ein Gesicht gegeben in Gestalt einer Frau, einer Königin als
Anführerin. Zwar mögen die Borg zuerst noch gefährlich erscheinen,
Deck für Deck assimilieren sie das Schiff, aber mit der ungewohnt
emotionalen Handlungsweise der Königin schwindet dieser Eindruck.
Anfangs mag sie noch geheimnisvoll erscheinen mit ihren Aussagen
gegenüber Data ("Ich bin die eine, die viele ist"), aber man kann
sie als das Borg-Bewusstsein nicht ganz ernst nehmen, spätestens
als sie Data verführt. Eine Königin als Ausdruck für die Borg, die
Picard einst als ihren gleichgestellten Partner wollte, und nun
auch davor nicht zurückschreckt, die Maschine Data mit allen Mitteln
manipulieren zu wollen. Jedenfalls steht die Einführung der Königin
im Widerspruch mit dem Erscheinungsbildes des "alten" Kollektivs,
von diesem alten Eindruck bleibt wenig übrig. In der Serie Voyager
werden die Borg wieder aufgegriffen. Sie sind scheinbar sehr publikumswirksam.
In einer "Vor-Borg-Episode" werden einige Einblicke in das Kollektivbewusstsein
gewährt, eine Gruppe ehemaliger Borg nimmt dies als Gesellschaftsform
an, damit endlich Frieden und Harmonie herrsche ("Die Kooperative").
Desweiteren findet der Doktor bei der Obduktion einer toten Drohne
einiges heraus. Die Assimilation wird nun mit Hilfe von Nanosonden
erklärt, mikroskopisch kleinen Robotern, die in den Blutkreislauf
gelangen und nach Sekunden das Gewebe befallen. Im späteren Verlauf
der Serie werden diese Nanosonden anscheinend als Allroundlösung
betrachtet, es ist schon störend, zu was man diese Dinger schließlich
alles einsetzen kann.
In "Skorpion" treten die Borg noch als geschlossenes Kollektiv
auf, allerdings in einen gnadenlosen Krieg verwickelt, gegen einen
Gegner gegen den sie machtlos sind. Hier heißt es plötzlich, die
Borg wären keine Forscher und könnten ihr Wissen nur durch Assimilation
erhalten. So entwickelt der Doktor auf der Voyager dann auch ein
Gegenmittel gegen die Spezies 8472. Irgendwas musste man sich ja
auch einfallen lassen, um die Borg zu einem Handel mit der Voyager
zu zwingen. Während dieser Gespräche wird von Captain Janeway ein
Repräsentant gefordert, "Seven of Nine". Diese ist menschlich und
seit 18 Jahren Angehörige des Kollektivs. Janeways Entscheidung,
Seven gegen ihren Willen zu deassimilieren ist auf jeden Fall zu
hinterfragen. Hugh wurde schließlich auch vor die Wahl gestellt.
Seven äußert zwar den Wunsch zurückzukehren, ist aber zu diesem
Zeitpunkt keine gefestigte Persönlichkeit. Seven soll sich vielmehr
entwickeln. Und das tut sie, in unzähligen Charakterepisoden. Während
sie noch verstört in ihrer Gefängniszelle hockt, wird Kes aus der
Serie herausgeschrieben. Durfte sie schon ihr schauspielerisches
Potential nie zeigen, verwandelt sie sich hier in ein höheres Wesen,
dass die Voyager aus dem Borgraum bringt. Trotzdem begegnen sie
den Borg immer häufiger. Was vor allem an den Machern liegt. Seven
of Nine und die Borg sollen schließlich als Quotenfänger herhalten.
Nach so langer Zeit können Borg Implantate nicht mehr restlos entfernt
werden, auch der Heilungsprozess der Haut muss durch einen speziellen
Anzug gefördert werden. Diese Heilung muss ja sehr langsam vorangehen,
da sie ihn die gesamte Serie über trägt. Dabei verwandelt sich der
zunächst abgespacete Anzug ziemlich schnell in eine "normale" Variante,
allerdings nie in eine Uniform oder weniger figurbetonte Einteiler.
In weiteren Episoden wird nun Sevens Schicksal geklärt, das Jahre
vor dem Erstkontakt mit der TNG Enterprise stattfand. Die Hansons,
zwei Exobiologen, brachen auf um Gerüchte über die Borg zu klären.
In einer Rückblende sieht man Klein-Seven mit einem Kubusmodell
spielen. Dies erscheint als kleines Ärgernis in der Borg Geschichte,
da sie doch noch unbekannt sein müssten. Zudem gelangen die Hansons
in den Deltaquadranten, entwickeln Dinge wie den "Biodämpfer" und
studieren ohne Schwierigkeiten die Borg. Mit "Das ungewisse Dunkel"
hält die Borg-Königin nun auch Einzug in Voyager. Sie holt Seven,
die Abtrünnige, zu sich und gibt dabei wirklich eigenartige Gründe
an. Auch ihr Verhalten ist mehr als eigenartig gegenüber den "klassischen"
Borg, als sie z.B. ein Schiff freilässt. Ein derartiger Aufwand
für eine verlorene Drohne, die man als Individuum behalten will,
da sie so angeblich wertvoller ist. Seven gilt ohnehin als Paradebeispiel
für eine "böse" Drohne, die nach einem langen, langen Entwicklungsprozess
endlich ein "richtiges" Individuum wird. Die Borg werden in Voyager
zu einem auf Unterdrückung basierenden System stilisiert, über dem
die Königin steht. Das ist kein Vergleich zu den Borg aus TNG, die
als geschlossene Macht auftraten, und dabei gnadenlos ihre Ziele
verfolgten, von einem gemeinsamen Willen gelenkt. In Voyager unterliegt
der gemeinsame Wille der Befehlsgewalt der Königin, die auch mal
öfter Fehlentscheidungen trifft und ihre persönlichen Interessen
über die des Kollektivs stellt. Der Putz bröckelt an der Borg Fassade.
Es kommt zu einigen Begegnungen mit den Borg, die Voyager triumphiert
und geht als Sieger aus der Schlacht hervor.
Es gibt aber auch einige ruhigere Borg Folgen. So kann man erleben,
wie während eines Transporterunfalls einige Nanasonden mit dem "mobilen
Emitter" des holographischen Doktors verschmelzen. Das Gerät macht
sich selbständig und wächst mittels einer Gewebeprobe zu einem "Superborg"
heran. Durch die Zukunftstechnik des Emitters wäre er so gut wie
unbesiegbar. So so, die Nanosonden wissen also genau was sie aus
so einem Emitter alles herausholen können. Eine schicke Panzerung
für die Drohne, Schutzschilde, also was da alles so drinsteckt...
"Die Drohne" entsteht und erinnert irgendwie an "Ich bin Hugh".
Es geht darum, dass Seven die ihr vermittelten Werte an die Drohne
weitergibt, ihn erzieht, da er zuerst nur nach einer Programmierung
handelt und auf seine Eingliederung ins Kollektiv wartet. Als die
Borg eintreffen wird ihre Stimme als Versuchung dargestellt, der
Seven und One widerstehen müssen. Sie können die Stimmen also hören,
ohne ihr zu unterliegen. One gibt schließlich sein Leben für die
Voyager und zerstört die Sphäre. Die normalen Borg scheinen keine
wirksame Abwehr zu besitzen, aber na gut, One ist eben höher entwickelt.
In anderen Episoden gibt es keinen "Zukunftsborg", dafür scheint
die Voyager die ultimative Borgwaffe zu sein. Aber auch Seven muss
sich des öfteren mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. So kann
man erleben wie Seven sich vor Jahren während eines Absturzes verhielt.
Man erfährt von Protokollen, bestimmten Verhaltensregeln, die eine
Drohne auszuführen hat, sobald sie vom Kollektiv getrennt wird.
Man erfährt, das unwichtige Erinnerungen vom Kollektiv zwar gelöscht,
bzw. unterdrückt werden, diese aber nach einiger Zeit der Trennung
wieder zum Vorschein kommen. Bei den überlebenden Drohnen geschieht
dies derart schnell und stark, das sie nicht ins Kollektiv zurückkehren
wollen. Nur Seven will noch "gerettet" werden und zwingt die anderen
schließlich, ihr zu helfen. Jahre später wird sie mit den Folgen
ihres Handelns konfrontiert ("Überlebensinstinkt"). Und wieder mal
sehen wir, was Nanosonden so alles anstellen können: ein Minikollektiv
erstellen. Auch in Episoden, in denen die Borg nur am Rande mitspielen
werden sie immer schwächer dargestellt. Einige Spezies beginnen
damit, freiwillige Kommandos assimilieren zu lassen, um so Viren
in das Kollektiv einzuschleusen. Sie versuchen die Borg von innen
heraus zu zerstören, indem sie eine Maschine infizieren, die sich
auf jedem Kubus befindet und die Gedanken der Drohnen ordnet ("Das
Vinculum"). Ein anderes mal findet die Voyager einen Kubus vor,
auf dem nur fünf Kinder überlebt haben. Der jugendliche Anführer
stirbt am Ende durch einen Unfall, wohl um zu untermauern wie falsch
sein Verhalten war, zum Kollektiv zurückkehren zu wollen. Wir erfahren
von bestimmten Prozeduren der Borg, Drohnen als fehlerhaft einzustufen
und das Schiff sich selbst zu überlassen und vom Hive abzustossen.
Der Begriff Hive wurde übrigens von der Voyager eingeführt, um das
"Bienenschwarm-Bewusstsein" der Borg zu betiteln. Eine Episode später
kann die Virenattacke geklärt werden. Eines der Kinder ("Icheb")
wurde von seinen Eltern rekrutiert und nur zu dem Zweck geboren,
eine Waffe zu sein. Seine Welt liegt am Ausgangspunkt eines Transwarpkanals
und hat schon viele Angriffe der Borg hinter sich. Interessante
Episode, mal zu sehen wie andere Völker damit umgehen, auch wenn
die Methode äußerst fragwürdig ist. Die Eltern sind bereit ein unschuldiges
Kind zu opfern, um damit einem Gegner Schaden zuzufügen.
Aber nun zu den Folgen, die die Borg umhauen. Es gibt plötzlich
eine "Unimatrix Zero", verpackt in einen Zweiteiler. Die Königin
weiß von diesem Ort, woher weiß niemand. Es ist eben so. Auch das
Verhör einer Drohne, dessen Gedanken sie ja eigentlich kennen müsste.
Und auch, das der Borg keine Erinnerung daran hat. Schließlich lässt
sie ihn sezieren, um an eine Frequenz zu kommen. Sie betrachtet
den Schädel und führt einen Monolog über Perfektion, was man wohl
tut um sie als besonders grausam und böse zu charakterisieren. Hm.
Natürlich wird unsere Seven in diese Traumwelt geholt, von einem
alten Bekannten, da sie ja selbst einmal an dieser Unimatrix Mutation
litt. Ja, natürlich. Außerdem sehen wir die Queen am Fließband,
ihre Zusammensetzung findet diesmal in mehr Einzelteilen statt als
in "First Contact". Und auch ihr kleiner "Plausch" mit Janeway.
Und das von den einst kompromisslosen Borg. Überhaupt, Unimatrix
Zero ist zwar ein Ärgernis für die Königin, es wäre aber nie zu
einer Bedrohung geworden, immerhin erinnern sich die Drohnen nicht
daran. Gefährlich wird es erst als die Voyager sich in die Sache
einmischt und den "Borgwiderstand" erst ermöglicht. Es kommt die
Assimilation von Janeway, Torres und Tuvok. Schöner Schock. Aber
dann merkt die Königin nicht mal das sie ihre Stimmen nicht hören
kann. Ist das Kollektiv vielleicht zu groß? In punkto Technik gibt
es dann einen zentralen Plexus, außerdem gepanzerte Kuben. Es kommt
wie es kommen muss, die Borg werden überlistet, die Queen macht
einen recht verwirrten Eindruck als sie die Stimmen nicht mehr hören
kann. Die nächste Aktion der Königin: ihre eigenen Schiffe in die
Luft jagen. Janeway zeigt sich davon wenig berührt. Die Queen beginnt
als Anführerin zu versagen, hier besonders schlimm. Die Queen und
Janeway pflegen eine Feindschaft, wie man sie vielleicht bei "normalen"
Spezies erwartet, nicht aber von einer "Bienenkönigin", die eigentlich
immer für das Wohl des Kollektivs handeln sollte und nicht aus persönlichen
Interessen.
Ein nächstes Geheimnis verlieren die Borg in "Unvollkommenheit".
Sevens Kortikalimplantat droht zu versagen. Ohne so eine Gerät kann
eine Drohne nicht überleben. Jede Drohne ist also abhängig von einem
Hauptimplantat. Und es gibt noch etwas, eine Vorrichtung die abtrünnige
Drohnen deaktiviert, sobald sie beginnen richtige Gefühle zu empfinden
("Menschliche Fehler"). Da hat doch Seven grad was mit
dem holographischen Commander gehabt. In "Endgame" wird es dann
der richtige Commander Chakotay. Sollte das etwa der finale Abschluss
von Sevens Charakterentwicklung werden? Jedenfalls wird es das grosse
Ende für das Kollektiv. Für die letzte Folge produziert man wieder
einen Zweiteiler und mischt beliebte Elemente zusammen. Die Borg
und eine Zeitreise. Und natürlich die Borg-Königin in ihrer Borg-Stadt.
Man gewinnt den Eindruck, die Janeway aus der Zukunft handele vor
allem als Racheengel. Ihre Aktionen sind höchst fragwürdig, so gibt
sie der Voyager Technologie, die sie nicht besitzen dürfte, sie
fliegt zum Borgzentrum, um die Borg auszurotten. Wir sehen ein Transwarpnetztwerk,
sehen wie die Borg reisen. Die Königin trifft ihre Fehlentscheidungen,
statt die Voyager anzugreifen, terrorisiert sie Seven während ihrer
Regeneration. Zum Schluss wird es immer haarsträubender: Die Queen
fängt sich von der alten Janeway einen Virus ein. Die Schutzfunktion
des Kollektivs scheint nicht zu wirken, die Königin ist eine Art
Hauptserver, von dort verbreitet sich der Virus wahnsinnig schnell.
Es kommt sowieso noch zu einigen Logikfehlern wegen der Zeitreise,
die ja eigentlich nie hätte stattfinden können da die Voyager jetzt
ja eher zu Hause ist. Nun sind die bösen Borg besiegt und ausgelöscht
und es scheint niemanden zu jucken, dass es ja genau genommen ein
Völkermord ist. Die Borg haben ein unwürdiges Ende gefunden, vor
allem die Königin, der man beim Auseinanderfallen zusehen kann.
Die Borg werden am Schluss eh nur noch belächelt. Aber wer denkt,
die Borg hätten nun endlich ihre Ruhe gefunden, irrt sich gewaltig.
In der neuen Serie Enterprise (ENT), die zeitlich noch vor TOS spielt,
werden die Borg wieder aufgegriffen. Die Autoren scheinen der Ansicht
zu sein, mit den Borg noch immer hohe Quoten zu erzielen. Überraschend,
wie viele bekannte Star Trek Elemente außerdem noch in dieser Serie
auftauchen. In der Episode "Regeneration" sind es ein paar übriggebliebene
Borg aus "First Contact", die damals abgeschossen wurden und auf
die Erde stürzten, wo sie im Eis eingeschlossen wurden... Hoffen
wir wirklich, das dies die letzte Borg-Folge ist. Man fragt sich
wirklich, wie die Borg einmal so gefürchtet sein konnten...
Meiner Meinung nach bestand das größte Problem der Borg wohl darin,
das sie so gut beim Publikum ankamen. Das zog immer weitere Episoden
nach sich, in denen immer mehr preisgegeben wurde, immer mehr dazuerfunden.
So war die Erschaffung dieser Königin, eine verführerische, emotionale
Frau als Lenkungsorgan, ein Schritt in die falsche Richtung. Man
entfernte sich immer mehr von der ursprünglichen Vorstellung des
Kollektivs. Alles was es zum Thema Borg gab wurde ausgeschlachtet
und in einer Geschichte erzählt. Sie verloren fast alle ihre Mysterien,
je mehr man über sie erfuhr. Die Stärke der Borg wurde immer weiter
heruntergeschraubt, um zum "Lieblingsgegner" der Voyager zu werden.
Dabei wurden sie immer weiter verharmlost und der Mythos irgendwann
ins Lächerliche gezogen.
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